70 Jahre Schiclub Bad Kleinkirchheim

70 Jahre Schiclub Bad Kleinkirchheim

Nach dem 2. Weltkrieg kehrten die Männer nacheinander wieder heim und erfreuten sich des Friedens und der wiedergewonnenen Freiheit. Schillers Worte: „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen“.

Im Spätherbst des Jahres 1947 saßen die Heimkehrer beim „Mauerwirt“ in der großen „Kuchl“. Ein weiterer, schneereicher Winter bahnte sich an. Schon vor dem Krieg begann hoffnungsvoller Tourenschilauf im Nockgebiet.
Mitten ins lebhafte Gespräch fiel plötzlich das Wort „Schiclub“. „Jå, a Schiclub k’hert gegründet. Reinhard, du måchst den Obmånn und mir ålle helfn z’såmm“. Einstimmig war der Schiclub Bad Kleinkirchheim gegründet.

Von den Dachböden hatte man schon die bewährten Eschenschier, Marke „Briggler“, geholt. Schistecken schnitt man von Haselsträuchern,“Stöggl“ (eiserne Stockspitzen) fertigte der Schmied. Bewährtes „Baien“(Bienen)wachs wurde aufgebügelt und mit dem Handballen verrieben. Stahlkanten hatten noch wenige Schier aufgeschraubt. Man fuhr damals hauptsächlich Tiefschnee.

Sonntags traf sich nun wieder Jung und Alt im Prägant-Låås, „brettelte“ oft bis zur „Wåldtråttn“ hinauf, von wo die „Schneidigen“ in sausender Schussfahrt durch die „Zusn“ und über die „Ottinger Egartn“ ins Tal abfuhren.

Schon am 8.II. 1948 fand dann der erste „Kaiserburg Abfahrtslauf“ statt, den Sepp Ortner vor seinem Bruder Franz gewann. Spektakuläre Stürze gehörten dazu. Auf dem Dach der „Heuschufpn“ im steilen „Kremsergårtn“ warteten schon die Schaulustigen. Wer nach einem kapitalen Sturz schon aufgeben wollte, weil er Schier und Stöcke, die irgendwo im Tiefschnee lagen, nicht gleich finden konnte, dem riefen sie ermunternd zu: „Fåhr lei weiter! Seind jå ålle g’flogn“. Schibrillen und Sturzhelme waren noch unbekannt. Die Kirchheimer hatten schon immer harte Schädl! Die Waldtratte hinaus musste man laufen, deshalb heißt er ja Abfahrtslauf. Der „Ehrenpreis“, ein zündholzlanger Silberschi, wurde von Maria Pulverer gestiftet. Von nun an war Kleinkirchheim ein Wintersportort.

Dem Gründungsobmann Reinhard Pulverer folgten Hinteregger Sepp (“Wurger“), Mitterer Toni („Koflachbauer“), dessen Sohn Hane und Scherer Robert, welche zu jener Zeit bereits bekannte Rennläufer waren. Es folgte Hans Gallob, Franz Egger und Sepp Ortner. Nach dessen Bestellung zum Landesschülersportwart folgten zwei wahre Langzeitobmänner: Walter und Reinhold Gruber, die selbst erfolgreiche Schirennfahrer ihrer Zeit waren. Über 33 Jahre lang leiteten sie die Geschicke des SC Bad Kleinkirchheim. In ihrer Zeit wurden zahlreiche EC und WC Rennen durchgeführt, wodurch der Club an internationaler Bedeutung gewann. Ihnen folgten die Obmänner: Christian Brunner und Sepp Pulverer. Im Jahr 2000 wurde Peter Pertl Obmann und organisierte mit einem erfahrenen Mitarbeiterstab weitere bedeutende Weltcuprennen. Seit dem Jahre 2017 steht dem Club Gerald Wasserer engagiert vor.

Schon 1967 wurde mit Hermann Wölfler, ein Salzburger, als Schitrainer angestellt, der erfolgreiche sportliche Aufbauarbeit leistete. Er begleitete vor allem Manfred Brunner und Poldl Gruber bis zum Nationalkader A und Wolfram Ortner zur Nationalmannschaft. Weitere erfolgreiche Schirennfahrer des Clubs waren zu jener Zeit Sepp Hinteregger (Schabus) und Sepp Lercher.

1973 gründetet Prof. Sepp Ortner den einzigen BMUK genehmigten Schulversuch „Schilauf in der Volksschule“ und war auch dessen Ausbildner. Es folgte 1977 die weiterführende „Skirennschule Bad Kleinkirchheim. Förderer waren: Kurgemeinde, Bgm. Oberegger, Marktgemeinde Radenthein, Vize- Bgm. Preis, Bergbahnen A .G., Ing. W. Putz und Tourismusverband, Kurdirektor Unterlerchner.

Die konsequente Trainingsabreit war Basis für bedeutende Schirennerfolge. Harald Krenn: Österr. Jugendmeister im AL und Vize-Junioren Weltmeister im AL; Heidi Riedler: Europacup Siegerin im AL; Frank Gruber, erfolgreicher Schiprofi in den USA, Ulrike Ortner: RTL Siegerin bei Bundes- Schiwettkämpfen in Radstadt.
Der Schulversuch „Schilauf in der VS“ wurde fortführend noch von Fachlehrer Eckehard Winkler, Fachlehrer Peter Funder und Fachlehrer Robert Rainer betreut.

Aus der einst kleinen, begeisterten Schar, die sich 1947 um den Wirtshaustisch beim Mauerwirt versammelt hatte, wurde der größte Schiclub Kärntens. Die Zahl der Mitglieder wuchs bis zum Jahr 1976 auf 1.564 Mitglieder. Nicht vergessen darf man die vielen fleißigen Clubfunktionäre, auf deren Hilfe der Club bei Großveranstaltungen immer wieder bauen konnte: Gesamtleitung: Obmann: Gruber Reini; Rennleiter: Sepp Ortner; Rennsekretär: Fritz Brunner; Streckenchef: Mitterer Hane; Zeitmessung: Schleiner Leo; Starter: Gangl Gottfried, Chef der Torrichter: Mitterer Georg, u.a.m.

Zahlreiche Mitglieder unseres Clubs, die zu ihrer Zeit bei Landes- und österr. Meisterschaften erfolgreich waren, dann aber der Schul- oder Berufsausbildung den Vorrang einräumen mussten, haben auch Clubgeschichte geschrieben: Ulrike Wieser; Kärntner Schülermeiste 1963: Sigi Unterlerchner, 1966, Harald Ortner, 1966; Guido Lobnig, Cornelia Winkler, Robert Poppernitsch, Anna Wiegele, Schiestl Ernst, Mitterer Heidi, Waltraud Krenn, Elisabeth Gruber (Skigymnasium), Karin Gruber, Prägant Sepp u.a.m.
Neue sportliche Herausforderungen nahm Gerald Schwarzenbacher an: 1993 Staatsmeister im Freestyle, 2. Platz bei Extremskimeisterschaften in Sapporo (Japan)
Auf den Marathon Langlaufstrecken „Koasalauf“ in Tirol und beim „Vasalauf“ (50 km!) in Schweden, waren öfters Reinhold Mitterberger und Hugo Schretter erfolgreich.

Es gibt wenige Schiclubs, die in so vielen Sportdisziplinen bedeutende Erfolge nachweisen können. Voraussetzung, neben vielen anderen Faktoren, ist die Bereitschaft der Aktiven, beim Training und im Wettkampf an die absolute Leistungs- (Schmerz)grenze zu gehen. Doch ohne Stützeffekt opferbereiter Eltern geht gar nichts.
Immer noch gehören Schüler und Jugendläufer unseres Schiclubs – Alpin und Nordisch – bei Landesverband- und ÖSV Rennen zu den Siegern.
Trainer Alpin (aktuell): Alfred Hopfgartner (Cheftrainer) Sascha Kavelar, Andreas Thamer, Alexius Kraker, Moijca Aschbacher und Stefanie Winkler.

Trainer Nordisch: Peter Hinteregger (Cheftrainer), Andreas Fuchs, Wolfgang und Waldemar Schabus und Laura Hinteregger.
Franz Klammer und die K 70: Franz Klammer, gebürtiger Mooswalder, Gde. Fresach, siegte 1970 beim EC Abfahrtsrennen vom „Hirschsprung“ (Kaiserburg). Seither heißt die Piste K nach Klammer, 70 steht für das Jahr seines Sieges. Dieser Schirennerfolg war Beginn einer beispielhaften Rennfahrerkariere: Olympiasieger 1976 in Innsbruck, weitere 24 WC Abfahrtssiege. Die Kurgemeinde Bad Kleinkirchheim verlieh ihm 2018 die Ehrenbürgerschaft.

Wolfram Ortner: dominierte zu seiner Zeit ÖSV- und FIS Schüler- und Jugendschirennen, war bei Junioren EC Meisterschaften im SL und RS Silbermedaillengewinner; mehrfacher Sieger bei EC Slaloms; bereits mit 17 Jahren Mitglied der Österr. Nationalmannschaft; achtzehnjährig jüngster Teilnehmer an der Weltmeisterschaft 1978 in Garmisch; 1982 WM in Schladming (4. Platz in der alpinen Kombi); 1. Platz bei den Europa Polizeimeisterschaften.

Manfred Brunner: Zahlreiche Erfolge in der ÖSV Schüler- und Jugendklasse; Nationalkader A; oftmalig Sieger bei EC Slaloms; 2 Platz beim WC Parallel RS in Furano (Japan)-
Prof. Sepp Ortner: 12 Weltmeistertitel bei FIS Masters Schirennen, 5 FIS Masters Cup Siege, 24 Österr. Meistertitel, sind Beweis für ideale Trainingsbedingungen in Bad Kleinkirchheim und St. Oswald. Seine praktischen wie theoretischen Erfahrungen und Kenntnisse waren Voraussetzung für den Lehrauftrag des BMUK Ausbildungskurses: „Einführung in den Jugendrennlauf“. Lehrbuch (ORAK Verlag) „Stil und Technik des Rennschilaufs“.

Von Österr. Schülerschimeisterschaften wusste man nichts in Kärnten. Als ich davon hörte, fuhr ich mit Franz Rauter nach Schwarzach, wo er gleich erfolgreich war. Dann Österr. Jugendmeister im SL, mehrere FIS Rennerfolge, ÖSV B-Kader, Trainer in Japan.

Leopold (Poldl) Gruber entschied sich nach Erfolgen bei ÖSV, FIS, EC und WC-Rennen für seine gastronomische Kariere: „Wirt mit den 5 Weltcupunkten“ auf der Brunnachalm und Gasthof Sportalm.

Niemand weiß, was die Zukunft bringt
Erfolgreiche Rennfahrer unseres Clubs haben neben ihrer sportlichen Basisausbildung in der Si- Rennschule und im Club ihre schulische Ausbildung nicht vernachlässigt. Harald Krenn und Frank Gruber sind Absolventen der Schi-Handelsschule Schladming. Das Skigymnasium Stams schlossen erfolgreich ab: Heidi Riedler, Wolfram Ortner, Manfred Brunner und Elisabeth Gruber.

Eine weitere Erfolgsgeschichte schreibt zur Zeit (2019): Clubmitglied und Mitglied der ÖSV Nationalmannschaft Marco Schwarz: 3 x Jugendolympia Gold(RTL, Superkombi, Teambewerb), Juniorenweltmeisterschaft Gold (Super-G), Silber SL, Bronze Abfahrt; Silber im Teambewerb bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang; 2. Platz beim Weltcup SL in Madonna di Campiglio und 1. WC Sieg beim Parallelslalom in Oslo. Er gehört nun zur Weltelite.

Eines darf nie vergessen werden: Jede Nachfolgegeneration steht symbolisch auf den Schultern ihrer Vorgängergeneration. Die unzähligen – auch internationalen – Schirennerfolge unserer Mitglieder bei ÖSV-, EC – und Weltcuprennen, die unzähligen Schirennen, die unsere Funktionäre des Schiclubs generalstabsmäßg durchgeführt haben, sind eine Erfolgsgeschichte eines Schiclubs mit qualifizierten, erfolgreichen, verlässlichen Mitarbeitern.

In der Einigkeit liegt unsere Stärke.

P.S: Sollte jemandes Erfolg vergessen worden sein, sind wir für Hinweise dankbar